Herausgegeben von Dr. P.M. – Herausgeber der

EPISTELN


Von Josef Maria Mayer


Der romantische Komponist Franz Liszt ist im Alter katholischer Priester geworden und hat geistliche Musik komponiert. Heute habe ich seine Dante-Symphonie mir angehört und dazu die mit dargebotenen Illustrationen zu Dantes göttlicher Komödie angeschaut. Es war ein tiefer Kunstgenuss, den ich dir wärmstens ans Herz legen möchte.
Adieu.

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Mein lieber Bruder in Christo!
Du weißt, dass ich das Oberhaupt der Heiligen Familie war, Bräutigam der Immerwährenden Jungfrau und Vater des göttlichen Jesusknaben. Ich war von Beruf Zimmermann. Ich habe nun vom Himmel aus gesehen, wie du als Pater familiaris mit großem handwerklichen Geschick dein Werk vollendet hast. Du weißt doch, wie die Heiden sagen: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gestellt. Ich spreche dir hiermit meine Anerkennung aus und verspreche dir und allen deinen Lieben mein Gebet zum Herrn, dass ihr alle den ewigen Sabbat Gottes erreicht!
Jesus und die Mutter Gottes segnen dich auch.
So verbleibe ich,
Dein
Heiliger Josef.

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Ich habe gefunden bei den Lichtzeichen günstig die Chroniken von Narnia für deine fromme und deine reizende Tochter. Heute musste ich Tom trösten, denn seine Katze war gestorben. Ich fand deine achtzehnjährige blonde Pfingstkirche schön.

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Das Gesetz Gottes nennt den Hasen einen Wiederkäuer und zählt ihn damit zu den unreinen Tieren, obwohl der Hase kein Wiederkäuer ist, sondern nur Kaubewegungen macht, die ihn als einen Wiederkäuer erscheinen lassen.

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Lieber Josef,
der Hase kaut seine Ködel noch einmal, um mehr Nährstoffe herauszuholen. Das ist auch eine Art Wiederkäuen. Das Hebräische hat nur deutlich weniger Worte als das Deutsche.

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Wenn du wirklich gut geführt werden willst, dann schau dir bei Radio Vatikan täglich die göttlichen Inspirationen des Heiligen Vaters an. Ich selber halte es so und kann es dir nur empfehlen.

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Alles, was von Karines schönem Körper übrig geblieben ist, ist ein Erdhügel mit Chrysanthemen und Rosen. Ah woe is me! Aber ihre unsterbliche Seele wartet im Jenseits auf uns.

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Durch Zufall = Gottes Fügung, kam ich dazu, Musik zu hören, die Hildegard von Bingen komponiert hat, Musik der Engel, und Bilder zu sehen ihrer Visionen und außergewöhnlich schöne Bilder von der Herrlichkeit des Herrn, der Schönheit des Lichts, der mystischen Hochzeit von Himmel und Erde. Es war ein Geschenk unserer lieben Frau, der Himmel öffnete sich. ich lege dies an dein Herz.

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Meinem lieben Pfingstbruder sende ich meine Übersetzung des lateinischen Hymnus veni creator spiritus. Ich hoffe, es begeistert dich:

Komm, Heiliger Geist, gesegneter Schöpfer,
Mit dem vollen Erweis der göttlichen Gnade und geistlichen Salbung!

Du bist derjenige, der genannt wird  Paraclet, Geschenk Gottes, des Höchsten,
O Quelle des Lebens, Feuer der Liebe und süße Salbung von oben!

Mit deiner Gnade und dem Finger der Rechten Gottes komm,
Du Vater, Verheißung, der Zunge Macht zu verleihen!

Entflamme unsere Sinne, gieße Liebe in unsere Herzen ein,
Die Schwäche unseres Körpers stärke mit bleibendem Mut!

Den Feind jage weit hinweg und gib uns deinen Frieden;
Führe uns, so dass wir vermeiden alles, was sündhaft ist!

Durch dich können wir anbeten den Vater und den Sohn und
Dich in beiden, lass uns glauben zu allen Zeiten!

Ehre sei der Herrlichkeit Gottes, des Vaters und des Sohnes, der gestorben ist
Und auferstanden, und des Trösters, für immer und ewig!

Amen

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Die alte Kirche nannte Maria Magdalena auch Apostelin der Apostel und das gnostische Evangelium nach Maria nennt Magdalena Jesu Lieblingsjüngerin und das gnostische Philippus-Evangelium sagt, Jesus küsste Maria Magdalena auf den Mund. Hier ihre Ikone zur andächtigen Verehrung...

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Ich hatte im Frühling einem Freund prophezeit dass am 14. September zum Fest Kreuzerhöhung meine Winterdepression einsetzt - eine falsche Prophezeiung. mir geht es gut. Im November werde ich Evi die Venus von Milo schenken, die ich aus dem Louvre gestohlen habe. Meine plattdeutschen Balladen sind Umarbeitungen von Volksballaden, nun mit regelrechtem Rhythmus und reinem Reim, dafür aber manchem neuhochdeutschen und mittelhochdeutschen Füllwort. Wie geht es dir? Evis Hündin Luna hat viele flöhe.
Sei gegrüßt!

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Ich hoffe, du erholst dich gut in deinen Herbstferien. Vielleicht findest du auch genügend Muße, dir beigefügte Dokumentation über die Prophezeiungen Mariens zu Gemüte zu führen. Maranatha!

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Heute am 13. Oktober war der Jahrestag der letzten Marienerscheinung von Fatima in Portugal, und Papst Franziskus hat die Menschheit dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht. Die Feierlichkeit war für mich so schön, es war für mich eine feierliche Erneuerung meines Eheversprechens an Maria - sie sagte Ja dazu, und ich war in Hochstimmung. die sonne schien und den Rest des Tages verbrachte ich in zärtlicher Liebe mit Tom und Evi.

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Für einen Protestanten ziemlich gut, was du über Maria sagst. Der heilige Geist schwebte über den Meeren - lateinisch „maria“. Maria als die Stiftshütte, das Zelt Gottes. Du sprachst vom neuen Adam, Christus, Maria aber ist die neue Eva nach der Lehre der Kirchenväter, denn wie Eva auf die Schlange hörte und Nein zu Gottes Gebot sagte und die Erbsünde in die Welt brachte, so im Gegenteil hörte Maria auf den Engel, sagte Ja zu Gott - mir geschehe nach deinem Wort - und gebar das Heil der Welt. Wenn Maria sagt - wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne - ist der Satz unsinnig, denn sie könnte ja in einem Jahr mit Josef schlafen, daraus schließt die Kirche, dass Maria ein Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt hatte. Die Magd des Herrn segne dich, es war schön, deine Stimme zu hören. Wenn du wieder predigst, lass es mich wieder hören.

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Leider - deine Arbeit über Else Lasker-Schüler habe ich nicht mehr. Auch Evi fragt sich: Was ist meine Natur als Frau? Evi hat gestern geheiratet, ihr Ehemann hat ein Krebsgeschwür, sie ist in Angst und Tom ist erschüttert. Die goldene Oktobersonne macht mich ausgesprochen froh. Ich leide an meinem Körper, er hängt wie ein Sack Kartoffeln an meiner Schmetterlingsseele. Meine Augen sind auch, wie Thomas von Aquin sagt, hungrig und durstig nach Schönheit. Toms zehnjährige Freundin Christine ist die Schönste, die ich kenne. Goethe in der klassischen Walpurgisnacht nennt Helena von Sparta ein zehnjährig Reh. Ich bin gerade beim hundersten Band Goethe. Ich las auch den Roman Lilith von George MacDonald - Evi ist nämlich hypnotisiert von dem Phänomen Lilith. Danke dass du mir geschrieben hast. Ich sende anbei Liebesgedichte einer Frau, die sie aus dem Jenseits mir als schwachsinnigem Medium diktiert hat. Schließlich schenk ich dir einen Vers aus dem ersten Buch Samuel, den ich für dich übersetzt habe: "Hinter (wem ist) der König (her), (ihn) zu bringen heraus aus Jisrael? Hinterher rennt er einem todgeweihten Hund (oder Lustknaben), einem FLOH (hebräisch Parosch)!"

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Am 13. Oktober hat mich die Madonna gebeten, mein Eheversprechen an sie feierlich zu erneuern, und drei Tage später hat sie hundert rote Rosen angenommen und das "Liebesbündnis" mit mir besiegelt. So konnte mich Evis Hochzeit am 21, Oktober gar nicht erschüttern. Ich sehe auch, dass sie einem andern Gott dient als ich, Viel Geld hat sie einer Geistheilerin, Hellseherin und Weißmagierin bezahlt, die zu Evis Mann gesagt hat, es sei egal, ob er sich das Krebsgeschwür wegoperieren lasse oder nicht, Hauptsache er arbeitet sein Vaterproblem auf. Evi spielt mit den Dämonen oder richtiger gesagt, der Teufel spielt mit ihr. Die Madonna hat mir viel vom Wirken Satans gezeigt. Mit Worten ist da bei Evi nichts zu machen. Allein das Gebet kann den Segen des Herrn auf sie herabflehen. Die Operation findet nächste Woche statt. Tom ist in Sorge. Er liebt seinen Vater. Bitte hilf mir beten vor allem um das Heil für die ganze Familie. Ich bemühe mich, in der Freude zu bleiben, in der Freude, solch eine Braut wie die makellose Jungfrau zu haben. Ich setze mich aktiv für Evi und Tom ein, aber bete auch sehr viel und lese Homer, Shakespeare und Goethe. Danke für dein Gebet.

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Hier aus einem Grußwort des Papstes an die christlichen Familien. Möge es dich ermutigen:
„Das Leben ist oft mühsam. Arbeiten bedeutet Mühe; Arbeit suchen bedeutet Mühe. Doch was im Leben schwerer wiegt, ist der Mangel an Liebe. Es ist schwer, kein Lächeln zu erhalten, nicht angenommen zu sein. Schwer lastet so manches Schweigen, manchmal auch in der Familie, zwischen Eheleuten, zwischen Eltern und Kindern, unter Geschwistern. Ohne Liebe lastet die Mühe schwerer. Ich denke an die einsamen Alten, an die Familien, die sich abmühen, weil sie keine Hilfe haben bei der Unterstützung derer im Haus, die besonderer Hinwendung und Pflege bedürfen. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, sagt Jesus.“ Der Herr kenne jedoch die Mühen und die Lasten des Lebens. Er kenne jedoch auch die „tiefe Sehnsucht, die Freude der Erquickung zu finden“, so Franziskus weiter. „Jesus hat gesagt: Eure Freude soll vollkommen sein. Das hat er zu den Aposteln gesagt, und er wiederholt es heute für uns. Dies ist also ist das erste, was ich heute mit euch teilen möchte, und es ist ein Wort Jesu: Kommt zu mir, Familien aus aller Welt, und ich will euch Ruhe verschaffen, damit eure Freude vollkommen sei.“

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Trage dir doch bitte in deinen Kalender den siebten November ein, das war Platons Geburtstag und auch Todestag, an dem Tag erlitt die heilige Karine von Ankara im vierten Jahrhundert ihr Martyrium, an dem Tag traf Goethe zum ersten Mal in Weimar ein, an dem Tag ergriffen die Bolschewiki 1917 die Macht in Russland, an dem Tag bin ich geboren. Wenn du mir an dem Tag schreiben würdest, würde ich mich sehr freuen. Ich habe neben Tom auch seine Freundin eingeladen, eine kleine platonische Idee oder die zehnjährige Helena von Sparta.

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Zeig deinem Sohn einmal einen Strand und dann zeig ihm ein einzelnes Sandkorn, siehe, das ist dein Leben auf der Erde, und das Leben bei Gott ist wie der ganze Strand. Das Gleichnis hab ich vom biblischen Jesus Sirach.

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Gestern auf Evis Geburtstag hat ihr Mann von sich aus mit mir über den Tod gesprochen. Er hatte immer geglaubt, mit dem Tod sei alles aus. Jetzt klammert er sich an folgende "wissenschaftliche Hoffnung": das All dehnt sich immer weiter aus, und wenn eine große Kugel in die Tiefe fällt und eine kleine Kugel danach, so nähern die sich an aufgrund der Gravitation und bleiben zusammen wie ein Sonnensystem. Wenn nun die unsterbliche Seele den Körper verlässt, so schweift sie umher, aber sie sucht sich einen neuen Körper. Ich sagte kurz und einfach: Platon lehrte die Unsterblichkeit der Seele, und im Christentum erwarten wir die Auferstehung, das heißt, die Seele bekommt einen unsterblichen Körper aus Licht. Ich stelle mir Karine nun jung und schön und glücklich vor. Er sagte: Ich glaube auch an Gott, bin aber aus der verbrecherischen Kirche ausgetreten. ich dachte, dann bist du also getauft. Es gäbe noch viel zu erzählen von Evis Geburtstag, aber heute bin ich des Redens müde. Nur soviel: Ich zitierte Goethe, dass es ein Gottesbeweis sei, dass Gott nicht nur den wein, sondern auch den Korkbaum geschaffen hat.
Adieu!

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Danke für deinen Geburtstagsgruß! Das hat mich sehr gefreut! Ich habe Evi deine Grüße bestellt. Tom hatte seine Freundin mitgebracht, die kleine Herzenskönigin Christina Sophia, die mir eine Flasche armenischen Cognac geschenkt hat. Wagner hören und Cognac trinken - ich bin alt geworden. An meinem Geburtstag ist Karines Namenstag, ich habe ihrer in Liebe gedacht. Die Universelle Barmherzigkeit sei mit dir!

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Danke für dein wunderschönes Augustinus-Gedicht über die Freundschaft, es beschreibt unsre Freundschaft sehr gut, finde ich. Mich segnete am Geburtstag die Hagia Sophia. Wenn ich der einzige Mensch auf der Welt wäre, wäre Jesus Mensch geworden und am Kreuz für mich gestorben. Meine kleine Königin Christina Sophia war das erste Mal bei mir, sah das Kruzifix und sagte: Du hast Jesus umgebracht! Kindermund  tut Wahrheit kund. Ich habe armenischen Cognac bekommen. Gott sei mit dir!

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Danke für den Carinena-Wein! Ich habe in diesem Jahr Karine dramatisiert in Orpheus in der Unterwelt, da sie die Eurydice spielt, die Zeus im Olymp zur Aphrodite verklärt. Dann hab ich angefangen, Karine zu dramatisieren in Ariadne auf Naxos, der erste Akt ist fertig, Theseus hat Ariadne verlassen, nun wartet der zweite Akt, die mystische Hochzeit von Karine und Dionysos. Ich hab fleißig Nietzsche gelesen, aber in mir sieht es gar nicht mehr dionysisch aus, sondern, ach, einfach nur stoisch-apathisch. Swedenborg spricht von den Toten als von Sternenmenschen.
Gruß!

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Evis Mann hat ein bösartiges Krebsgeschwür. Evi nahm ihn mit zu einer Heilpraktikerin, die mit den Händen durch den Astralleib ging und sah so die Unversöhntheit des Mannes mit seinem Vater. Es sei egal, ob er sich das Geschwür wegschneiden lasse oder nicht, wichtig sei, dass er sich mit seinem toten Vater versöhne. Nun hat Evi chinesische Giftpilze bestellt für viel Geld. die saugen sich in der Natur voll mit Giften. Nun werden sie aber so gezüchtet, dass sie ohne Gifte aufzusaugen heranreifen, dann werden sie pulverisiert  und zu Pillen gepresst, die nimmt man mit viel Wasser ein, so dass sie im Körper zu schwämmen werden, die alle Gifte aufnehmen und ausgeschlämmt werden. Das soll gegen Krebsgeschwüre helfen. Evi ist auch begeistert  von der anthroposophischen Medizin, da man Krebs mit Misteln bekämpft. So weit das Neuste aus der Hexenküche.
Gruß!

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TOMS ERSTES LIEBESLIED

Mein Herz ist entsprungen!
Ich sehn mich nach dir!
Wann kommst du endlich?
Wann kommst du endlich?

(zur Gitarre zu singen)

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Lieber Josef,
Das Neuste aus der Hexenküche: Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
Gruß!
M.

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Alle Tiere sind vernünftig, nur  der Mensch ist religiös.

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"Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß." Ein Priester sagte mir: Verbanne deine Leidenschaften nicht in den Schrank, sie kommen doch immer zurück zu  dir. - Den Stoikern war die Apathie, die Leidenschaftslosigkeit ein hohes Ideal. Durch meine Medikamente bin ich nun ziemlich apathisch geworden, und dadurch ist die Kreativität gehindert. Schopenhauer sagte: Wenn ich am wollüstigsten bin, dann bin ich auch geistig am kreativsten. - Allerdings hab ich die Erfahrung gemacht, dass ungeordnete Leidenschaften auch sehr zerstörerisch sein können. Platon nennt das Begehren der Seele ein wildes Ross vor einem Wagen, die Vernunft nennt er den Wagenlenker. Papst Benedikt schrieb, der Eros, die leidenschaftliche Liebe, ist gut, aber er muss gereinigt werden von der Agape, der göttlichen Liebe. Was nun die Lebendigkeit betrifft - im Griechischen gibt es zwei Wörter für Leben. Der Bios ist das natürliche Leben, die Zoe ist das übernatürliche leben, das vom Pneuma gezeugt wird.  Und Jesus will uns die Fülle der Zoe schenken. Mit dem Leben der Gnade im Menschen beginnt eigentlich erst das wahre Leben. Die Menschen ohne Gnade sind eigentlich tot.
Lieben Gruß!

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"Die Vernunft ist der größte Feind des Glaubens, weil alles Göttliche ihr widersinnig erscheint." (Martin Luther) Luther regte sich höllisch auf über die hohen Schulen der Kirche, weil man dort den, wie er sagte, blinden Heiden Aristoteles lehre. Luther nannte die Vernunft eine Hure: fraw klüglin ist ein hur! Dagegen sagte Augustinus: Ich verstehe, um zu glauben, und ich glaube, um zu verstehen. Unter den evangelikalen Luther-Jüngern hab ich noch keine Liebe zur Philosophie gefunden. Dagegen in der katholischen Kirche studiert jeder Priesteramtsanwärter auch Philosophie. katholisches Dogma ist, dass Gott mit den Mitteln der menschlichen Vernunft erkannt werden kann. Die Gottesbeweise der Scholastiker beweisen nicht unbedingt die Existenz Gottes, aber sie beweisen, dass der Glaube an die Existenz Gottes der menschlichen Vernunft nicht widerspricht. Das ganze Pontifikat Benedikts hatte zum Hauptthema das Verhältnis von fides und ratio, Glaube und Vernunft. Schon Johannes Paul hatte eine Enzyklika namens fides et ratio geschrieben. Benedikt sagt, die Vernunft ohne Glaube ist unerleuchtet, aber auch ein Glaube ohne Vernunft steht in der Gefahr, zum Fanatismus zu werden. Im Islam mit dem Glauben an die Verbalinspiration des Koran gibt es keinen vernünftigen Diskurs über Gott, darum ist der Islam so fanatisch. Ironie der Geschichte: die französische Revolution kämpfte im Namen der Göttin der Vernunft gegen Christi Kirche, aber Papst Benedikt sprach am Grab Napoleons über die hohe Bedeutung der Vernunft, die allerdings vom Glauben erleuchtet werden muss. Im Dialog mit dem Islam sprach Benedikt gar vom Logos als der Göttlichen Vernunft, die er auch die weltschöpferische Macht nannte.

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Der Vatikan und die Universität von Oxford veröffentlichen hebräische und griechische Bibelmanuskripte und auch die Gutenberg-Bibel. Später sollen noch Homer und Platon dazukommen. Leider fand ich die Adresse dieser Veröffentlichung noch nicht. Ich versuche übrigens, eine eigene Übersetzung von Homers Odyssee zu machen. Zur Zeit bin ich in Gebet, Lesen und Schreiben versunken. Ich fühle mich aber etwas einsam, da ich Evi und Tom schon einige Zeit nicht gesehen habe.
Gruß!

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GLÜCKWUNSCH

Geduldig trug ich dieses Lebens Bürde,
Nun trag ich graues Haar, des Alters Würde.
Mein Leben soll mir bis zum Ziel gelingen
Und schließlich soll man Halleluja singen.

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Thanks for the bottles of red Carinena-wine, the right medicine for my lonely and melancholic heart. As a gift to you I send some poems written by me for your eternalized daughter, the queen of love. May be your Christmas be blessed with consolation.

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Ich grüße dich zu Weihnachten. Ich kann gerade nicht viel schreiben, weil ich so bodenlos schwermütig bin. Aber oft, wenn ich sehr traurig bin, flüchte ich im Geist in das alte China. Ich schicke dir ein paar Gedichte von Li Tai Bo und Bo Djü I.
Gott sei mit dir!

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Ich freue mich auf den vierten Advent, dann kommt mein kleiner Kaiser Tom Mortimer mit seiner kleinen Kaiserin Christina Sophia zu mir und lassen sich vom heiligen Kind bescheren. Was feierst du Weihnachten? Ich höre das Weihnachtsoratorium von Bach und studiere Hölderlin – Papst Franziskus’ Lieblingsdichter. Nun hat mich die winterliche Schwermut doch noch eingeholt. Aber das Licht aus der Höhe wird auch mich wieder besuchen. Dir wünsche ich ein stilles Fest der Liebe.

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"Für den armen Mediziner  Eichelberg in Lobeda, der sich sauerer, als ein Mensch werden ließ und läßt um etwas zu lernen und zu leisten, wünschte ich, daß eine Kleinigkeit geschähe. Glauben Sie, daß ich etwa bei Serenissimo oder bei Fürstl. Cammer irgendeinen Schritt thun und begünstigen solle? so will ich mich dessen nicht entziehen."
Goethe

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"Ich liebe die ruhigen Verstandesmenschen, weil man sich so gut bei ihnen orientieren kann, wenn man nicht recht weiß, in welchem Falle man mit sich und der Welt begriffen ist."
Hölderlin

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DIE DEUTSCHE BIBEL
Ode von Friedrich Gottlieb Klopstock

Heiliger Luther, bitte für die Armen,
Denen Geistes Beruf nicht scholl, und die doch
Nachdolmetschen, daß sie zur Selbsterkenntnis
Endlich genesen!

Weder die Sitte, noch der Sprache Weise
Kennen sie, und es ist der reinen Keuschheit
Ihnen Märchen, was sich erhebt, was Kraft hat,
Edleres, Thorheit.

Dunkel auf immer ihnen jener Gipfel,
Den du muthig erstiegst und dort des Vater=
Landes Sprache bildetest zu der Engel
Sprach' und der Menschen.

Zeiten entflohn; allein die Umgeschaffne
Blieb, und diese Gestalt wird nie sich wandeln.
Lächelnd wird, wie wir, sie dereinst der Enkel,
Ernst sie, wie wir, sehn.

Heiliger Luther, bitte für die Armen,
Daß ihr stammelnd Gered' ihr Ohr vernehme,
Und sie dastehn, Tränen der Reu' im Blick, die
Hand auf dem Munde!

PS: Danke für Klaus Bergers Neues Testament, ich hab drei Briefe gelesen, jetzt will ich erst einmal die frühchristlichen Schriften lesen, die ich noch nicht kenne.

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Du zauberhafte Anmut, höchst charmant,
Erleuchte, Gratia, das deutsche Land!

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Mein Traum von dir, Geliebte, steht in 5 Mose 25,11: „Wenn zwei Sterbliche miteinander streiten, ein Mann und sein Genosse, und die Frau kommt, um den Mann aus seiner Hand zu erlösen, und sie greift und packt mit ihrer Hand seinen Phallus, so sollst du ihr die Finger abschlagen und dein Auge verhüllen.“ Das hebräische Wort für Phallus an dieser Stelle ist Mabusch und bedeutet männliches Pudendum. Pudendum aber heißt Vulva oder Genitalien oder Schamgegend. Ich hoffe, mit dieser kleinen Wissenschaft zu deiner göttlichen Erkenntnis beigetragen zu haben.
Gottes Segen!