Herausgegeben von Dr. P.M. – Herausgeber der

STUNDEN DER MUSZE



Gedichte

Von Josef Maria Mayer


AN DEUTSCHLAND


1

Zu recht wir feiern die geliebte Freiheit,
Die Freiheit, die zu aller Wohl besteht.
Wenn Freiheit sich nur um sich selber dreht,
Wird sie Beliebigkeit und Einerleiheit.

Die Freiheit und die Liebe, diese Zweiheit,
Vereint die Freiheit mit der Liebe geht,
Die Freiheit mit der Solidarität,
So will es Gottes Einheit in der Dreiheit.

Denn Freiheit heißt nicht nur: befreit von wem?
Die Freiheit heißen muß: befreit wozu?
Dann widme du der Freiheit all dein Blut,

Wenn Freiheit ist nicht nur ein Theorem,
Wenn sie sich schließt, mit aller Seelenruh,
An Gottes Freiheit an, das Höchste Gut.


2

Ihr Männer und ihr Frauen auf den Thronen,
Was wollt ihr euch erbitten von dem Herrn?
Den Tod der Feinde? Das sei Frommen fern!
Ein langes Erdenleben von Äonen?

Wollt ihr euch Reichtum wünschen, goldne Kronen?
Den Reichtum wünschen sich die Toren gern.
Wünscht ihr euch hörend eures Herzens Kern,
Lasst das Gewissen euch im Busen wohnen!

Gerechtigkeit erstrebt den Kreaturen,
Jedoch der Menschen und der Welt Naturen
Verlangen die Gerechtigkeit von Gott.

Es stiftet schöpferische Weltvernunft
Das Recht, dem folge nach der Herrscher Zunft,
Sonst wird Kultur zur Barbarei, zum Spott.


3

Ich sing ein Lied dem Weinstock, meinem Freunde,
Die wir am Weinstock Rebenzweige sind,
Der Rebe Tochter und der Traube Kind
Sind alle Eine trunkene Gemeinde.

Der Weinstock, der die Reben alle einte,
Die Trauben alle band in ein Gebind,
Will, dass er Frucht an seinen Reben find.
Was höhnen über dieses Wort die Feinde?

Der Rebe Tochter dachte manchmal schon,
Daß Gott in seiner Kelter sie zerstampfe,
So wird gepresst sie in dem Lebenskampfe,

Doch, also spricht der mehr als Salomon,
Der Rebe Tochter soll mit jedem Triebe
Zum Wein der Wonne werden, Wein der Liebe!


4

Nun sind wir hier in dem Marienland
Und pilgern zu Maria Pieta.
Ihr Sohn liegt auf dem Schoß der Mutter da.
O welche Schmerzen über den Verstand,

Maria, welche unterm Kreuze stand,
Als sie durchbohrt das Herz des Sohnes sah,
Da sprach sie noch einmal zu Gott ihr Ja,
Und Gott gab uns in ihre Mutterhand.

O Schmerzensmutter, Mutter aller Schmerzen,
Nun ruht ihr selig einig Herz zu Herzen
Und schließt uns auch in eure Liebe ein.

Ich nun vertraue schmerzlichen Verlust,
O Mittlerin der Gnaden, deiner Brust.
O Miterlöserin, ich bin ganz dein!


5

O Jugend, froh glänzt dir dein Angesicht,
Den Idealen strebst du nach von Herzen!
Das Böse sieh, den Krieg, die Todesschmerzen,
Und sei in diesen Finsternissen Licht!

Die Heiligkeit sei dir die höchste Pflicht,
Wie Gold geläutert wird aus harten Erzen,
Wie vor der Glut zerschmilzt das Wachs der Kerzen,
Sei auch bereit zu Opfer und Verzicht.

Dem Wachse gleiche du, dem heißen feuchten,
Die Flamme nähre du, das Licht laß leuchten,
Sei stark und tapfer bis zum Todesmut!

Wie wild sich auch des Bösen Mächte wälzen,
Sei du bereit, im Feuer hinzuschmelzen
Und Heilige zu sein der Liebesglut!


LIBYEN



1

Achttausend Jahre vor Geburt des Herrn
Die Jäger malten magische Gemälde,
Da unter lichten Mondes gutem Stern
Die Jagd gezaubert wurde, wie ich melde.

Erst malen wir die Jagd und dann in Bälde
Wir jagen mit dem Pfeil und Bogen gern.
Die Felsenhöhle waren unsre Zelte,
Die Männer waren bei den Tieren fern,

Die Frauen und die Kinder an dem Feuer,
Die Männer in der Wildnis Abenteuer,
Die übersinnlichen Gewalten furchtbar,

Die übersinnlichen Gewalten fruchtbar.
Den Geistern dankten wir die Tiere, sie
Beschworen wir in Künsten der Magie.


2

Zweitausend Jahre vor der neuen Zeit
In unterirdischen Kapellen boten
Wir Wohnung an der Frau der Fruchtbarkeit
Und auch den Geistern unsrer lieben Toten.

Die Feuer in den Felsengrotten lohten,
Die Tiere malten wir in Künstlichkeit.
Die Frau war schon die Bäckerin von Broten,
Den Göttern haben wir das Fleisch geweiht.

Doch unser Liebling, das war das Idol
Der Magna Mater, ihre Brüste voll,
Der Magna Mater mit dem breiten Becken.

O Göttinmutter aller Fruchtbarkeit,
Wir haben unsre Toten dir geweiht,
Du mögest sie im Jenseits auferwecken!


3

Achthundert Jahre vor der Weihnachts-Nacht
Von Tyros kam die Fürstin Dido an
Und baute ihr Karthago voller Pracht,
Die Himmelskönigin ihr Reich gewann,

Die sahen wir im Bild des Mondes, dann
Lobpriesen wir der Tanit große Macht,
Wir standen in der Himmelsgöttin Bann
Und haben Kinderlein ihr dargebracht.

Ja, unsre Erstgebornen brachten tapfer
Der Göttin wir und ihrem Baal zum Opfer
Und ließen Kinder durch das Feuer gehn.

O Himmelsgöttin, thronend auf dem Mond,
Ach, du hast unsre Kinder nicht geschont,
Doch schienst du uns so schrecklich und so schön!


4

Im Jahre siebenhundert vor der Zeit
Die Griechen kamen, schöner Weisheit voll.
Sie haben ihre Götter benedeit,
Den Vater Zeus und seinen Sohn Apoll.

Aus Vater Zeus die schöne Weisheit quoll,
Athene stand bereit im Kriegerkleid.
Und so Apollons schönes Liedgut scholl
Und alles war zur Menschlichkeit bereit.

Die Philosophenschule heut noch stünde
Und noch hellenische Mysterienbünde
Ihr Opfer feierten bei Brot und Wein,

Wenn nicht die Religion gewandert wäre,
Als Rom gekommen war mit seinem Heere
Und nahmen mit Gewalt die Völker ein.


5

Um hundertfünfzig Jahre vor Beginn
Der neuen Zeit begann die Macht von Rom,
Zu herrschen in Karthago auch und in
Nordafrika und auch am gelben Strom,

Dem Vater Nil. Die Himmelskönigin
Hieß Juno jetzt, ein herrliches Phantom,
Die Schwester Jupiters, sie zog dahin,
Mit Jupiter zu herrschen in dem Dom,

Und als die dritte war Minerva da,
Und Romas Kaiser war der Gottessohn.
Das Kinderopfer wurde bald verboten,

Als Jovis, Juno und Minerva sah
Die Götter-Trias man im Himmelsthron,
Den Kaiser aber grüßten alle Toten.


6

Im Jahr dreihundert unsrer neuen Zeiten
Nordafrika gebar die besten Christen,
So Augustinus wollen wir begleiten,
Tertullian und Cyprian, die büßten.

Dann aber kamen auf die Donatisten,
Die Kirchenväter Gott die Kirche weihten.
Die Donatisten, reich an üblen Listen,
Der Kirche taten manche Schmach bereiten.

Im Jahr fünfhundert kamen die Vandalen,
Die Ketzer waren, Arianer waren,
Nicht an die Gottheit Jesu glaubten sie.

Doch Ostrom triumphierte, neue Strahlen
Tat Hagia Sophia offenbaren
Durch ihre griechische Orthodoxie.


7

Sechshundert Jahre nach dem Gnadenjahr,
Da Gottes Logos Fleisch geworden ist,
Muslime kamen, ihre Kriegerschar
Eroberte Nordafrika mit List.

Nun der Islam der neue Herrscher war,
Sie unterwarfen sich Allah. Ihr wisst,
Allah hat keinen Sohn und offenbar
Allah auch nicht den eignen Sohn vermisst.

Nun kamen mache Sekten, manche Orden,
Allah ist groß und Mahom sein Prophet,
Und dieser Glaube antialkoholisch

Noch heut in Libyen in Waffen steht.
Doch Malta, einst arabisch auch geworden,
Doch Malta heut ist römisch und katholisch.


DAS KINDESOPFER


(nach Tagore)


Von Dorf zu Dorf verbreitete sich langsam
Die Nachricht, der Brahmane Maitra würde
Zur Ganga Mündung fahren, um ein Bad
Zu nehmen. Viele Menschen kamen mit,
Die Alten und die Jungen, Männer, Frauen,
Zwei Boote lagen schon am Steg bereit.

Bemüht um Huld der Götter sprach die Mutter
Mokada: Bitte laß mich mit dir fahren!
Die Augen dieser jungen Witwe litten
Auch keinen Einwand, sondern flehten bittend,
Er konnte ihr den Wunsch auch nicht versagen.
Wir haben keinen Platz mehr in den Booten,
So sagte der Brahmane. Weinend rief
Die Witwe: Ach, ich find schon einen Winkel.
Da gab er nach. Doch frug er voller Zweifel:
Was soll mit deinem Jungen denn geschehen?
Die Witwe gab zur Antwort: Ach, der Junge?
Der bleibt bei seinem Onkel! Schon bei der
Geburt, ich lag noch krank und schwach im Kindsbett,
Da zog der Onkel meinen Jungen auf
Und gab das Fläschchen ihm mit Muttermilch.
Seitdem ist er vernarrt in seinen Onkel.
In seiner Mutter Armen blieb er kaum,
Auf keinen hört er, nur auf seinen Onkel.
Und muss ich tadeln meinen frechen Jungen,
Dann kommt der Onkel an mit feuchten Augen
Und nimmt ihn auf den Schoß und streichelt ihn.
Wenn ich jetzt weg bin, pilgere zur Ganga,
Mein Junge wird beim Onkel glücklich sein.

Der Priester war jetzt einverstanden und
Die Mutter packte ihre Reisetasche
Und grüßte voller Ehrfurcht alle Alten
Und weinte Abschiedstränen, überschwemmend
Die Freundinnen mit ihren Abschiedstränen.
Sie kam zum Steg und sah: Der Junge war
Vorausgeeilt zum Boot und saß nun still
Im Boot und wartete auf seine Mutter.
Was machst du hier? So fragte seine Mutter.
Der Junge sprach: Ich fahre an das Meer!
Die Mutter sprach: Zum Meer? Du kleiner Schelm!
Komm runter von dem Boot! Er aber sprach:
O Mütterchen, ich fahre an das Meer!
Je mehr sie ihn an seinen Armen zerrte,
Je mehr hielt er sich fest am Rand des Bootes.

Da lachte der Brahmane voller Güte
Und sagte: Also bleib im Boot, mein Junge!
Doch zornig schrie die Mutter: Also komm,
Ich werfe dich ins Meer und opfere
Der Göttin Devi dich, der Großen Mutter!
Doch als sie ihre eignen Worte hörte,
Da drang ein scharfes Schwert ins Herz der Mutter,
Da stiegen Tränen ihr in ihre Augen
Und voller Reue sprach sie: Große Göttin!
Dann zog den Jungen sie auf ihren Schoß
Und deckte ihn mit süßen Küssen ein.
Doch der Brahmane sprach mit ernster Mahnung:
Darf man denn solchen Schwur der Göttin schwören?
Der Junge aber wird mit ihnen fahren.

Als das der Onkel auf dem Land erfuhr,
Kam er gerannt und rief: Mein süßer Liebling!
Wo fährst du hin? Der Junge sagte lachend:
Mein Onkelchen, ich fahre an das Meer!
Mein Onkelchen, ich komme bald zurück!
Doch wie von Sinnen rief der Onkel aus:
Mein Herr Brahmane, wer gibt acht auf meinen
Geliebten Liebling, meinen kleinen Schelm?
Seit er geboren ist, hält er’s nicht aus,
Wenn nicht sein lieber Onkel bei ihm ist.
Wo fährst du hin? Gib mir mein Kind zurück!
Der Junge aber sagte: Lieber Onkel,
Ich fahre an das Meer, ich komm zurück.
Und der Brahmane sagte zu dem Onkel:
Solang ich bei ihm bin, geschieht ihm nichts,
Sei unbesorgt, mein Freund, der Fluß ist ruhig
Und viele Menschen reisen jetzt im Winter
In Booten auf dem Fluß, die Strecke ist
Ganz ungefährlich, in drei Monden bring
Ich deinen süßen Schelm zu dir zurück.

Und: Große Göttin Devi, Mutter Devi!
Die Leute riefen und das Boot fuhr ab
Zu guter Stunde nach dem Horoskop.
Mit nassen Augen blieb am Steg zurück
Der Onkel mit den Freundinnen der Mutter.
Das Dorf am Ufer schwand wie unter Tränen,
Die weint ein Dichter in der Nacht des Winters.

Nun sind die Pilger wieder auf dem Heimweg,
Vorbei das Wallfahrtsfest. Am Nachmittag
Das Boot sie machten an dem Ufer fest,
Um auf die Flut zu warten. Unser Junge
Befriedigt hatte seine große Neugier
Und sehnte sich voll Heimweh nach dem Onkel.
Sein Geist war müd geworden, stets nur Wasser
Und immer Wasser nur zu sehen, schlüpfrig
Und schwarz und glatt und grausam schien das Wasser
Dem Jungen, schlangengleich mit tausend Zungen
Das Wasser zischte und es lechzte gierig
Nach Erdensöhnen. O du Mutter Erde,
Uralte Mutter Erde, liebevolle,
So fest und so beständig, zuverlässig,
Du trägst die Sorgen, auf dir wohnt das Glück,
Du streckst die Mutterarme aus nach uns
Und ziehst tagein tagaus mit starkem Sog
Uns liebevoll an deine großen Brüste!

Unruhig kommt der Junge immer wieder
Zum Priester und fragt den Brahmanen bang:
Mein Herr Brahmane, wann kommt heut die Flut?

Und plötzlich kam das Wasser in Bewegung,
Das Ufer auferwacht zu neuer Hoffnung.
Das Boot dreht nordwärts, leis strafft sich das Seil,
Das Wasser zieht mit Singsang in den Fluß,
Die Flut war angekommen von dem Meer.
Den Namen Devis auf den Lippen, trieb
Der Steuermann das Boot dem Norden zu.
Der Junge ging zum Steuermann und fragte:
Wie lange noch, bis wir zuhause sind?

Vier Meilen weiter, noch im Abendlicht,
Da setzte ein verstärkter Nordwind ein.
Und an der Mündung eines Seitenflusses
Der Ganga, dort wo eine Sandbank war,
Da brach ein Streit aus zwischen Flut und Wind.

Zum Ufersaum! Macht fest das Boot, rief laut
Die Pilgergruppe immer wieder. Aber
Wo war das Ufer? Denn von allen Seiten
Das wild zerwühlte Wasser klatschte laut
Mit tausend Händen in dem wilden Tanzschritt,
Verspritzte wütend seinen Zorn gen Himmel.
Zur einen Seite sah man weit entfernt das Ufer,
Zur andern Seite stieg ein Wellenbug
Und hob empor sich zu der Abendsonne.
Das Boot ist steuerlos und schlingert hin
Und her und hin und her wie ein Betrunkner.
Die kalte Angst mischt sich mit Frost und Nordwind
Und alle Männer, alle Frauen zittern,
Die einen stumm vor Grauen und die andern
Laut heulend, andre nach der Mutter rufend.
Der Herr Brahmane betet, bleich wie Asche,
Mit fest geschlossnen Augen, Stoßgebete.
Der Junge sein Gesicht vergräbt im Busen
Der Mutter, zittert schweigend. Von Gefahren
Umlauert, ruft der Steuermann zu allen:
Wer hat hier sein Gelübde an die Göttin
Nicht eingehalten, nicht bezahlt die Schuld?
Das ist der Grund für diesen Wettersturm!
Erfüllt jetzt das Gelübde, noch ist Zeit,
Spielt nicht leichtfertig mit dem Zorn der Göttin!
Die Pilgerleute warfen, was sie hatten,
Geld, Hab und Gut und Kleider, in das Wasser.
Und trotzdem schoß ein Wasserschwall ins Boot.
Noch einmal rief der Steuermann: So hört,
Wer hält der Göttin Eigentum zurück?

Und da stand der Brahmane auf und rief
Und zeigte auf Mokada: Diese Mutter
Hat ihren eignen Sohn dahingegeben
Der großen Göttin Devi im Gelübde
Und will sich stehlen jetzt mit ihm davon!
Wirf ihn ins Meer, so brüllten laut die Pilger.
Die Mutter aber rief: O Herr Brahmane,
O Bruder Priester, bitte rette uns!
Mit beiden Armen drückte sie den Sohn,
Als wär ihr eignes Leben dieser Junge,
Fest an ihr Herz, an ihre großen Brüste.

Doch zornig brüllte der Brahmane Maitra:
Bin ich dein Retter? Unbesonnen, zornig,
Hast du den Sohn der Göttin dargebracht
Und ich soll ihn zu guter letzt erretten?
Bezahl du deine Schulden an die Göttin!
Brichst du dein Wort, so wirst du alle diese
Verzagten Pilger hier ins Unglück stürzen!
Mokada rief: Ich bin ein dummes Weib!
Was ich im Zorn gesagt, o Devi, hast du
Für wahr genommen? Hast du nicht erkannt,
Daß ich es nicht im Ernste so gemeint?
Hast du auf meine Worte nur gehört
Und nicht das Herz der Mutter angeschaut?

Dieweil sie flehte, riss der Steuermann
Den Jungen von dem Busen seiner Mutter.
Der Herr Brahmane schloß die Augen und
Hielt sich die Ohren zu, als unser Junge
In Angst des Todes weinte: Onkel! Onkel!
Das war der letzte Ruf des Jungen: Onkel!
Da spürte der Brahmane, dass ein Schwert
Sein Herz durchbohrte wie ein heißer Blitz
Und aufgeschreckt rief der Brahmane: Halt!
Voll Schrecken sah die Mutter er am Boden
Des Boots zu seinen Füßen ausgestreckt.
Für einen Augenblick nur tauchte auf
Der Kopf des kleinen Jungen aus den Wellen:
Mein Onkel, rief er und verschwand im Meer.
Das kleine Händchen tauchte noch einmal
Aus Wasserfluten auf und ging dann unter.
Ich bringe ihn zurück, rief der Brahmane
Und sprang ins Meer. Er kehrte nicht zurück.
Da ging die abendliche Sonne unter.


MADRIGAL AN LENA


Als mich die Menschen so verbittert hatten
Mit ihrer Übellaune, ihrem Zank,
Hab ich gebetet zu dem Totenschatten
Und sagte: Liebe Seele, ich bin krank!
Und von Elysischen Gefildes Matten
Kam prompt die Antwort und der Toten Dank:
Da sah ich dich im Spiegel, Jungfrau Lena!
Madonna sei gepriesen, gratia plena!

Du warst so hold in deiner Jugendschöne,
So weiß wie Schnee und wie der Pfirsich rot,
Du sangest heiter deine Jugendtöne
Von Amors Pfeilen und vom Liebestod,
Du warst die Grazie und die Kamöne
Und junge Venus und das Morgenrot,
Du hast mit deinem Charme, dem Anmutsglanze
Getröstet mich und mit dem schönen Tanze.