Herausgegeben von Dr. P.M. – Herausgeber der

ARGULA VON GRUMBACH - GEDICHT



Bearbeitet von Torsten Schwanke

Für Frau Pastorin Anja Kramer, 10. März 2014

*

Gott hat geschickt dir seinen Zorn,
Dass du zum Narren bist geborn,
Das sieht man wohl an dem Gedicht,
Wo deine Muse Torheit spricht!
Du willst mich damit wohl erschrecken,
Dein Dummsein selber aufzudecken?
Ein ganzes Jahr hast du gedacht,
Wie man mir eine Antwort macht.
So einer kam, wie man wohl wähnt,
Der sei mit Lorbeer ruhmgekrönt,
Geschrieben hat die Poesei.
Er meint, man nur ein Weiser sei,
Wenn man die Leute schön beschimpft.
Der Kunst man wohl die Nase rümpft,
Wie sie da steht in dem Gedicht,
Da nicht die Herrin Weisheit spricht.
Geh nur mit Narrenschellen um,
Die Christen machst du doch nicht stumm.
Wenn das ist alles, wie man spricht,
Ich auch kann schreiben ein Gedicht.
Hab nie viel Poesie gelesen,
Auf keiner Schule bin gewesen,
Will mich nach deiner Weise richten
Und gleich zum ersten Male dichten,
Dass du nicht meinst, nur du seist weise,
Der selbst sich lobe, selbst sich preise.
Du denkst: Hab jedes Buch gelesen,
Bin Gottes Lehrer selbst gewesen,
Kann keiner singen sonst so schön,
Nur ich kann Poesie verstehn,
Und schimpf ich auch, wie Tauben girren,
Hanswurst lässt sich davon nicht irren. –
Im Sprichwort sagt der weise Mann,
Wie man bei Schlomo lesen kann:
Dem Dummen dumme Antwort gib,
Sonst hält er sich für klug, mein Lieb!
Ich bitt dich, rede offen, Mann,
Dass ich dich mit den Weisen kann
In Weisheit prüfen, ob und wie
Die Lehre Luthers Häresie,
Dazu Melanchthons Lehrergabe,
Davon ich nichts vernommen habe,
Die Lehre öffne Sündenpforten,
Wie du sie schmähst in deinen Worten.
Ich sage dir jetzt, sag es wahr,
Das Wort verdolmetscht ist sehr klar.
Was schmähst du solche Frommen dann,
Die dir nichts Böses angetan?
Ich bin durchs Wort wie neugeborn,
Ob es dich auch versetzt in Zorn,
Wie sehr du dich und andre schändest,
Mich doch vom Gotteswort nicht wendest.
Ich sage frei: Für Gott sie sind
Aus Huld gerecht und Gottes Kind,
Die beiden und noch andre mehr,
Die pflanzten und begossen sehr,
Wie Paulus und Apollos taten,
Und alles nur aus Gottes Gnaden.
Du wehrst es nicht, o Männerstirn,
Ob du dir auch zerbrichst das Hirn,
Du stellst so hoch dich voller Spott,
Du willst wohl kämpfen gegen Gott?
Du, wie der Rauch so aufgebläht,
Der wie der Rauch auch rasch vergeht,
Wie Wachs zerschmilzt vom heißen Feuer,
Ganz so vergeht dein Abenteuer.
Schon David in den Psalmen kündet,
Was in der Wahrheit Gottes gründet,
Dass Gott vergessen wird sehr oft,
Wo man allein auf Menschen hofft,
Er hab studiert den Menschen-Wahn,
Der Seelen zog auf Satans Bahn,
Der Schriftgelehrten Wahn-Dekrete,
Das sind nicht geistliche Gebete.
Doch wenn man folgt in seiner Lehre
Der Herrin Weisheit, hohe, hehre,
Dann folg ich auch als sanftes Kind,
Wo ich die Herrin Weisheit find.
So höre ich den Herrn auch sagen
In Jeremias’ Weheklagen:
Mich ließen sie, den Wasserbronnen,
Draus klare Wasser sind geronnen.
O Herr, die werden alle enden,
Die sich von deinem Worte wenden!
Den reinen Quell sie lassen fahren,
Darin die reinen Bäche waren.
Noch mehr spricht er als Gottes Mund:
So du mich heilst, werd ich gesund.
Dies auch der Herr der Heere spricht,
Wie Jeremia gibt Bericht:
Verflucht ist, wer auf Menschen traut,
Gesegnet, wer auf Jahwe baut!
Das hat Martinus doch getan
Und mancher andre weise Mann.
Auf Gottes Wort mein Herz ich wälz,
Du aber stößt dich an dem Fels.
Seh mich nach keinem andern um,
Die falschen Götter bleiben stumm,
Die schwanken alle hin und her,
Ich halte mich an Gott fest, sehr!
Ihr aber meint, ihr Blinden, Tauben,
Wir hätten einen Menschenglauben
Und sein gegründet nur auf Luther,
Obwohl doch außer Gottes Mutter
Sind aller Erden Menschenkinder
Nur Lügner allesamt und Sünder.
Wir prüfen doch genau die Geister,
Wie uns Johannes lehrt, der Meister.
Was darfst du solch ein Frevler sein,
Dass du Melanchthon ziehst hinein
Und Luthers große Redegabe,
Mit dem ich nicht geredet habe?
Und das will ich bei Gott gestehen,
Ich hab die beiden nie gesehen.
Wie willst du gute Verse singen?
Dein Herz ist voll von bösen Dingen!
Mir bringt es keine Bitterkeit,
Wenn ich als Christ Verfolgung leid.
So tastet mir nur an das Leben,
Ich will euch keine Antwort geben.
Denn Christus hat mir vorgehalten,
Die andre Wange hinzuhalten.
Und wollt ihr Gottes Wort entstellen,
Dann will ich gegen euch mich stellen.
Gar wenig ist Gewinn zu sehen,
Das Höllentor wird nicht bestehen.
Es schlägt euch Gott mit seinem Mund
Und achtet nicht auf euren Bund,
Den ihr nur mit euch selber machtet.
Doch die verfolgt sind und verachtet,
Da höre ich Frau Weisheit sagen:
Dass Einer wird die Tausend jagen.
So in dem Psalm auch David spricht:
Vor Tausend bangt der Eine nicht.
Denn Gott der Herr allein ist Gott,
Die Menschen alle nur Schamott.
Wie man auch im Propheten findet,
Hat Gott euch das vorher verkündet:
Die einen werden maledeien,
Die andern Jahwe benedeien.
Und David lehrt auch die Gemeinde,
Dass Gott wird strafen seine Feinde,
Er macht zuschanden die Gesellen,
Die gern sich zu dem Teufel stellen.
Seht diese Prophetie gut an,
Sie wird euch selber angetan.
Ihr habt die Toten wohl gegessen,
Dass euch der Neid hat so zerfressen?
Ihr schreit nur immer: Ihr seid Ketzer,
Ihr seid vermaledeite Hetzer!
Ganz gleich doch, wer die Schafe führt,
Wenn euch zuteil die Wolle wird.
Das hat sich mancher schon vermessen,
Er wollt mich auf der Kanzel fressen,
Wo ich ihm in die Augen kam,
Die wenig Schrift von ihm vernahm.
Sie sagen: Du verstehst es nicht!
So gebt mir doch der Weisheit Licht!
Doch dieser Meister aller Sinne
Will einzig, dass ich web und spinne.
Ich hab das täglich doch getan,
Dass ich es nicht vergessen kann.
Doch Christus hat mir auch erzählt,
Ich hab das bessre Teil erwählt,
Wenn ich mich setze, still zu hören
Des Meisters Wort und seine Lehren.
O Jesus, rede du zu mir!
Ich lausche Jesus voll Begier!
Was sollte ich von euch denn lernen,
Die wollen mich vom Wort entfernen?
Ihr gebt mir einzig den Bescheid,
Zu dienen in Gehorsamkeit,
Den Ehemann in Ehren halten,
Den lieben Gatten lassen walten.
Mein Herz ihm wohlgesonnen ist,
Ich diene ihm zu jeder Frist,
Gehorsam bin ich voller Freuden,
Sonst müsste ich ja Schande leiden.
Ich achte auch an jedem Tage,
Dass sich mein Gatte nicht beklage.
Gott lehrt mich Demut tief und voll
Und wie ich mich verhalten soll.
Doch wollt mein Mann so in mich dringen,
Von Gott entfernen mich und zwingen,
Davon ich gar nichts haben will.
Ihr wollt jedoch, ich bliebe still.
Ich aber stehe gerne ab
Von Haus und Hof und was ich hab.
Die Kinder mehr als Jesus liebt
Und ihrem Mann mehr Ehre gibt,
Die ist nicht in dem Geiste frei,
Unwürdig sie des Meisters sei.
Denn Gott ich so verleugnen sollte,
Eh alles ich verlassen wollte?
Nein, Leib und Leben geb ich frei,
Die Seele mir nicht lieber sei
Als lieb mir ist mein Herr und Gott!
Wer im Gericht einst erntet Spott
Und wird gestellt zur linken Hand,
Wo auch der Böcke Herde stand,
Ich gehe durch die enge Tür,
Wie Jesus sagt: Du glaub nur mir!
Aus Huld gerettet seid ihr Frommen,
Vom Tod zum Leben seid gekommen!
Ich hoff, Gott wird mir stehen bei,
Dass mir dies alles möglich sei.
Ihr wollt mit Weiberfabeln kommen,
Wie ihr sie habt von mir vernommen?
Dies Wort hat mir gegeben ein
Mein Meister, er sprach nicht Latein,
Er ist der große Unbekannte,
Das sage ich zu eurer Schande.
So habt ihr mir doch auch getan.
Bleibt nur in eurer Fabeln Bann
Und geht mit Schellen nur umher!
Ihr schändet fromme Frauen sehr!
Sei eure Sorge groß dabei,
Erstarrt doch eure Schurkerei!
Wie ihr die Menschen habt verführt,
Das wird von vielen schon gespürt.
Die meisten werden wohl ermessen,
Dass ihr vom Satan seid besessen.
Mit Freuden ich vernommen habe,
Dass Lesen lerne jeder Knabe,
Ich hoff, dass Gott ihm helfen tut,
Dass er versteht die Bibel gut,
Gott gebe dazu seinen Geist,
Der weiß, was rechte Weisheit heißt!
Doch euer Hohn tut mir nicht leid,
Mein Herz sich nur am Worte freut.
Der Herr sagt: Hüpft nur hoch in Freuden
Und alle die Verfolgung leiden,
Wenn euch die Menschen werden hassen,
Verschmähn, verfolgen und verlassen
Und eurem Ruhme reden Hohn
Und alles um den Menschensohn,
An diesem Tage jubelt gleich,
Denn euer ist das Himmelreich.
Doch weh euch, die ihr laut jetzt lacht,
Ihr werdet traurig noch gemacht.
Weh, wenn euch alle Leute loben,
Ihr frechen Spötter, euer Toben
Wird ganz und gar vor Gott zunichte,

Wenn ihr erst steht vorm Weltgerichte!